Signalkabelnetz

Wissenswertes über das Signalleitungssystem

Michael Hoeptner, MDI5

Erweitert am 18.07.2001

Das Koaxialkabel-Netz

Es gibt ein internes koaxiales Verteilernetz, welches von allen Anwendern genutzt werden kann.
Die Hauptzentralen sind die Rangier-Verteiler RX1 bis RX9 im Beschleuniger Kontrollraum,
desweiteren die Rangier-Verteiler RX1 bis RX3 im Elektronikraum 1 und
RX1 bis RX3 im Synchrotron Elektronikraum (SER).

Der Aufbau dieser Verteiler:

Die RX-Verteiler bestehen aus 3er-Gruppen (eine Ausnahme ist der RX5, der eigentlich aus
2 Verteilern besteht), sind mit 16er RG-58C/U (auf BNC-Durchgänge) und 10er RG-213/U
(auf N-Durchgänge) verbunden und auf entsprechenden Auflaufbrettern montiert.
Die Aufteilung zu den Zielpunkten ist grob vorgegeben und die Bezeichnung ist recht
unmißverständlich: RX1-9BKR bzw. RX1-3ER1 und RX1-3SER.

Die Aufteilung der Verteilergruppen:

Die Koax-Verteiler sind untereinander, sowie mit allen wichtigen Aussenpunkten auf dem Gelände verbunden. Zum Beispiel sind von vielen BKR-Pulten zu den RX-Verteilern im BKR feste Verbindungen geschaffen worden. Die Verteilergruppen sind wiederum untereinander verbunden, wodurch man ohne Problem zB. von einem DORIS-Pult aus direkt zu jedem anderen Pult, aber auch zu fast jedem anderen Ort durchrangieren kann. Hierfür stehen Rangierkabel bereit, sie sind farblich gekennzeichnet und für die Dokumentation nummeriert. Die Farbmarkierungen sind für die Gruppen unterschiedlich, also bitte keine ER-Kabel für den BKR verwenden!
Der mittlere Verteiler einer RX-Gruppe deckt jeweils die internen Verbindungen ab,
also hauptsächlich die BKR-Pulte und die anderen RX-Verteiler im Kontrollraum.
Die äußeren Verteiler gehen zu Außenzielen im und ausserhalb des Gebäudes.
Von den genannten (äußeren) Rangierverteilern kommt man zu vielen kleineren Koaxialverteilern.
Diese KX-Verteiler findet man zB in den HERA- und PETRA-Hallen, im Rechnerraum usw.
Auch diese Verteiler haben meistens diverse Stammverbindungen zu Elektronikschränken
oder wieder zu anderen Verteilern in naheliegenden Bereichen.

Übrigens: Auflaufbretter in Schränken betrachten wir oftmals auch als Verteiler.

Das Steuerleitungs-Netz

Das Zentrum des Steuerleitungsnetzes sind die Hauptverteiler (VH) im Elektronikraum 1.
Von hier aus läßt sich ebenfalls fast jeder Punkt auf dem DESY-Gelände direkt erreichen.
Desweiteren sind Rangierleisten für die Steuerspannungsversorgung vorhanden.
Die verwendeten Steuerkabel für die Stammverbindungen an den Verteilern sind größtenteils:
I-Y(St)Y100x2x0,6 - sowie bei "kleineren" Auflaufpunkten auch manchmal I-Y(St)Y50x2x0,6. Diese Bezeichnungen klingen natürlich vielsagend und bedeuten in etwa: Telefonkabel!

Verschaltung, Verteiler, Belegung:

Die meisten Verbindungen zu den nahen Komponenten (Schränke, Pulte usw.) erfolgen direkt,
daß bedeutet: sie sind Verteilerseitig direkt am Lötösenstreifen aufgelegt - auf der Gegenseite auf Steckern. Benutzt werden hierfür 2 bis 50 paarige Kabeltypen, je nach Anforderung/Anwendung,
Steckertyp usw. Diese Verbindungsart betrifft hauptsächlich den ER1 & ER2, den BKR
und andere Auflaufpunkte im Gebäude 30. Die Stammverteilungen gehen wiederum auf andere Steuerleitungsverteiler (KV) die, wie bei den KX-Verteilern, an allen wichtigen Auflaufpunkten
auf dem DESY-Gelände (und natürlich HERA) vorhanden sind.

Das Lichtwellenleiter-Netz

Zuständig für das LWL-Netz ist seit mehreren Jahren der Kollege Raid Awwad. Er ist in der Lage die Kabel/Steckverbinder zum Teil auch selbst zu konfektionieren
Das LWL-Netz hat sein Zentrum bei der F-Schrankreihe, ebenfalls im Elektronikraum 1. Die Stammverbindungen sind größtenteils 12er LWL-Kabel (50µm) auf 10er FC/PC Auflaufbrettern. Das neue Netz ist auf Basis von SD mit 36er Patchfeldern aufgebaut. Leider ist das der einzige Ort, wo einheitlich der gleiche Stecker / Durchgangstyp verwendet wird. Für die externen Auflaufbretter hat sich noch keine Steckernorm komplett durchsetzen können,
wir drängen bei Neuinstallationen zur Benutzung von ST-Auflaufpunkten. Die große (historisch gewachsene) Steckervielfalt bringt natürlich einige Probleme mit sich. Besonders bei Aktionen,
bei denen man "mal eben schnell" ein Kabel erneuern muß!
Falls dann nicht das richtige Kabel (mit der wundersamen ST / Optaball-Kombination)
zufällig irgendwo zur Verfügung steht, muß man mit großen Verzögerungen rechnen!
Hier sind die Anwender gefragt auf Standardtypen überzugehen, dieses bereits bei Komponentenbestellungen! Notfalls sollte man erwägen die Komponenten umzurüsten,
wie wir es bereits mit den Verteilern in grossem Ausmaß getan haben.

Anmerkungen zu Lichtwellenleitern :

Heutzutage sind LWL-Kabel glücklicherweise nicht mehr so empfindlich wie vor einigen Jahren.
Trotzdem sollte man LWL-Kabel grundsätzlich mit der nötigen Vorsicht behandeln!
Die übertragende Faser hat nur etwa den Durchmesser eines Haares!
Das man schon auf normale Kabel nicht tritt, sollte schon selbstverständlich sein, LWL-Kabel
sollte man wirklich nicht stressen - Auch nicht kurzzeitig! Auch sollte man LWL-Kabel auf Kabelführungen und an Komponenten nicht zu stark biegen und schon gar nicht knicken!

Verbindungen und Rangierungen

Die Koaxialkabel-Rangierverteiler stehen jedem Anwender direkt zur Verfügung. Zu beachten ist aber, daß jeder Anwender seine Rangierungen möglichst genau in die Rangierlisten einträgt.
Auch beim entfernen der Rangierungen ist es wichtig die Eintragungen in den Rangierlisten
wieder zu streichen! Besonders freundlich und weitsichtig ist es, wenn dann nicht nur die
Endrangierungen, sondern auch sämtliche "Folgerangierungen" entfernt und ausgetragen werden!
Gemeint ist damit: Bitte nicht nur die Pultverbindung zum Oszilloscope, oder die reine Durchschaltung am RX2 für ein Pult entfernen, sondern auch alle Rangierungen entfernen,
die man auf dem Weg zur Meßstelle gepatched hat!
Durch diese Aufmerksamkeit bleibt das Koaxnetz übersichtlich und es können allen Anwendern immer genügend freie Rangierpunkte zur Verfügung gestellt werden! Sicher scheint das etwas mühselig - weit schmerzhafter ist es allerdings in jedem Pult, jedem Schrank und an allen
möglichen Komponenten nach eventuellen einseitig offenen Verbindungen zu suchen!
Rangierungen im Steuerleitungs- oder Lichtwellenleiter-Verteilerbereich führen wir selbst durch! Hierzu benötigen wir bei Bedarf die (möglichst genauen) Angaben was rangiert werden soll.
Nur in Notfällen sollten Steuerleitungs- oder Lichtwellenleiter-Rangierverbindungen
vom Anwender selbst ausgeführt werden!
Bitte uns auch diese Änderungen mitteilen, damit wir den Vorgang dokumentieren können.

Anforderungen - Was ist zu beachten?

Ziemlich falsch wäre (nicht völlig frei erfunden):
"Hallo Michael, ich brauche 4 Steuerkabel von PETRA West zum Kontrollraum, danke"
So eine Anforderung läßt natürlich Raum für Spekulationen!

Richtig wäre (in Kurzform):

Kabeltyp, von/nach (Raum/Schrank oä), Steckertyp (Buchse/Stift, gegebenenfalls Belegung,
wenn nicht 1:1), Anwendung (am besten pro Kabel) das erleichtert die Kabelbeschriftung und Dokumentation! Auch ob Verteiler geschaffen werden sollen, oder noch etwas spezielles zu erwarten ist, wäre schön zu wissen! Es ist zu beachten das Spezialstecker/-kabel teilweise beträchtliche Lieferzeiten haben! Das ist auch in dem Zusammenhang recht wichtig, wenn so ein Kabel mal beschädigt wird und Ersatz nicht zu bekommen ist!!
Grundsätzlich sollte man erwägen Kabel-/Steckertypen zu benutzen, die sich leicht besorgen lassen! Schlau ist, wer sich bei ungewöhnlichen Kabel-/Steckertypen eine Reserve gleich mitbestellt!

Beschriftungen

Verteiler :

Die genannten Koax- und LWL-Verteiler haben neben den Auflaufbrettern Gravierschilder
mit Angabe der Zielpunkte (Ort, Verteiler, Reihe). Die Steuerleitungsverteiler sind auf den
Beschriftungsfeldern des Lötösenstreifens und/oder an den Kabeln beschriftet.
Langfristig sollen zumindest alle Lötösenstreifen an den VHs (ER1) beschriftet werden.
Für viele Verteiler ist das aber schon jetzt schon der Fall.

Kabelbezeichnungen :

Die Beschriftung an den Kabeln hat ein sehr übersichtliches Konzept, es sollte sich das Ziel jedes Kabels anhand des Beschriftungsschildes bestimmen lassen.

ANFANG - ENDE / Komponente bzw. Bemerkungen

Das kann zB sein: NOL;85 - Schr.NO.3 /Ki ";" = Meterangabe !
oder: Schr.A1, ER1 - Q4;13 / Abs1.3

Diese Kabel würden also von:
PETRA Nord Ost links, bei 85m zum Schrank NO3 in PETRA Nord Ost auflaufen
und wäre für einen Kicker.
bzw vom Schrank A1 im Elektronikraum 1 zum DORIS Quadranten 4, bei 13m für einen (erfundenen) Absorber.
  

Abkürzungen :

Wir versuchen die Abkürzungen sinnvoll und möglichst gut wiedererkennbar zu wählen.
Sowas ist bei einer Fehlersuche eine wirkliche Erleichterung und kann viel Zeit sparen wenn ein
Signal gesucht wird. Es wäre etwas übertrieben alle Abkürzungen hier als Anlage beizustellen,
generell wäre aber die Idee so eine Liste in das Firmennetz abzulegen sicher sinnvoll.

Die Kabelbezeichnungen werden natürlich für die Kabelverlege- und Anschlußpläne, sowie für die Kabel-Beschriftungschilder identisch gewählt! Auch sowas erleichtert eine eventuelle Suche erheblich! Eine nachträgliche Änderung oder das entfernen der Kabelbeschriftung birgt da natürlich Risiken. Falls noch eine Info vom Anwender benötigt wird, so kann sie ja ruhig zusätzlich angebracht, oder in dem "Bemerkungsfeld" dazugeschrieben werden....Kabel die nur der Anwender identifizieren kann sind eine unnötige Belastung für den Schichtgänger, der Nachts um 3:30Uhr danach sucht! Wir versuchen aber, wie bereits erwähnt, so vernünftig wie möglich zu beschriften.

Vorgehensweise bei Verbindungsfehlern

Zur Beruhigung: Glücklicherweise kommen Kabeldefekte wirklich sehr selten vor!
Bei begründeten Verdacht für einen Kabeldefekt sollte man als schnelle Lösung (Ausfall)
die defekte Leitung wenn möglich austauschen. Wenn zB am Koaxverteiler eine Stammverbindung defekt zu sein scheint: Einfach eine andere freie Buchse auf dem Auflaufbrett benutzen.
Natürlich muß auch auf dem Zielverteiler dann auch auf diese Buchse umgesteckt werden!
Ein Eintrag ins Rangierbuch und ein Klebestreifen oder ähnliches auf die defekte Buchse geklebt, wäre gut, damit kein anderer diese defekte Verbindung benutzt!
Bei LWL- und Steuerleitungsverbindungen wird das etwas haariger, zumindest wenn keiner von uns da ist. Falls eine LWL-Stammverbindung defekt zu sein scheint einfach ebenso umstecken,
wie oben bei Koaxkabeln angegeben, wenn eine LWL-Rangierleitung defekt ist, diese ersetzen
(im Raum 202 zu bekommen). Der erwähnte Fall von exotischen Steckerkombinationen kann
einem bei LWL das Leben schwer machen! Bei Steuerleitungen muß dann schon mal der
Lötkolben bemüht werden! Probleme im Interlockbereich sollten unbedingt von der
Interlockgruppe DIREKT bearbeitet werden!

Die Ansprechpartner

Oben gesagtes zählt für RuckZuck-Aktionen zu Zeiten, wo niemand aus den Kabelabteilungen anwesend ist. Für Verkabelungen im MDI-Bereich sind Herr Liebing,
Herr Reuther, Herr Steckel, Herr Sokolinski und ich (Michael Höptner) zuständig.
Wir sind im Normalfall die Ansprechpartner für auftretende Probleme.
Fernmeldeverbindungen bearbeitet W8, Magnetversorgungen MKK (auch Schichtdienst) HF-Verkabelungen werden größtenteils von Herrn Büttner und Herrn Müller bearbeitet.
Interlockverkabelungen werden ua. von Herrn Wagner betreut.